Im Nachbarland hatten sie mich einbestellt. Soundsoviel Uhr, da und da: Schulamt. Linoleum, endloser Gang. Ganz am Ende: Sieben formlose Gestalten sitzen grau im halbdunklen Raum. Konversation: Wartezeit. Was ich denn in Leipzig wolle, fragt mich eine dreimal. Ich Wessi.
Kommt ein Direktor herein, rundliche Figur, brauner Anzug, weißes Hemd, der Chef hier: erklärt dies und das, wendet sich dann an mich: "Sie gehen nach Raunzdorf. Flüchtlingskurse!" Ach so? Schon mal gemacht. Höre noch Rafah, der mir erklärt: "Ich wache jeden morgen auf und denke: Ich will nicht hier sein! Ich will diese Sprache nicht lernen!" "Ich würde jetzt lieber was andres tun", meine ich. Runder Mann schaut mich an: "Eine Stelle in Leipzig ist das!", erwidert er, "die oder nix!" Ich gehe.
In Sachsen-Anhalt, oh Bindestrich! lässt man mich ans Gymnasium. Auch schon gemacht, aber für Schweizer und Italiener. Jetzt ans Gymnasium in Bitterfeld. Neu, unneu: aufregend, aber nicht zu sehr.
Beim Willkommenskurs in Halle werde ich als Weltenretter begrüßt. Man zeigt sich begeistert von uns, von mir und meinen Kollegen und Kolleginnen. Tatsächlich sind das unerhört qualifizierte Menschen, welche die 2/3 Dreijahresstellen an dem satthatten, was aus historischen Gründen noch Universität heißt, oder welche gerade noch rechtzeitig aus der Automobil- und Chemieindustrie geflohen waren, Das Land geht unter und die Schulen füllen sich mit neuen Lehrern. Könnte ja auch was Gutes sein, sozusagen zukunftsversprechend, oder?
All diese habilitierten, promovierten und Postdoc-Leute werden dann den richtigen Lehrkräften, denen mit dem Lehramtsstudium und dem Referendariat, bald beweisen müssen, dass sie das auch einigermaßen hinbekommen. Bei gesenkten Ansprüchen: Während die Referendarin zehnseitige Unterrichtsplanungen vorzulegen habe, würde man sich bei uns mit ein oder zwei Seiten zufriedengeben. Sind ja doch mehr so Notlehrer. Was nun all diese Planung eigentlich solle? Macht man hier so. Das ist genauso deutsch wie Klassenstärken von 29 oder 30 Kindern es sind, die es sonst auch nur in anderen untergehenden Ländern gibt: in Russland, in Spanien und in Finnland nämlich nicht. PISA leicht erklärt.
Gymnasiallehrer mit 25 Wochenstunden. Deutsch, Sozialkunde, vielleicht Ethik. Ein Jahr auf Bewährung, dann vielleicht: il posto fisso! die Stelle fürs Leben, was ja auch nicht mehr so lang sein dürfte. Meine Mutter freut sich.
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